Archiv für Oktober, 2006
No sports!
Der Grund warum ich heute – an einem Sonntag morgen – um zehn schon wach bin und mein Blog aktualisiere, sind die Kopf- und Zahnschmerzen, die auf irgendwelchen anderen Schmerzen im Nacken beruhen und die besonders im Liegen sehr unangenehm sind. Aufgrund dessen habe ich mich vor einer Stunde dazu entschlossen nicht wie üblich bis mittags zu schlafen sondern aufzustehen, damit die Schmerzen nachlassen.
Ich habe Schmerzen im Nacken, im Rücken, in den Rippen, im Kiefer, in den Ohren, in den Nasennebenhölen und im Fuß aber die Letzteren sind so gering, dass sie gar nicht weiter auffallen.
Gerstern gab es zwei Veranstaltungen von der Uni Vigo für uns Erasmus Studenten: Ein Ausflug nach Santiago de Compostela und ein kostenloser Surfkurs an einem der besten Surfstrände hier am Atlantik. Ich hab mich natürlich für das Surfen und gegen einen kulturell anspruchsvollen Exkurs mit einer Gruppe von 100 Leuten entschlossen.
Zwei Stunden Zug fahren; Blick auf eine ausgehängte Karte in Vigo; ohne Karte loslaufen und den Busbahnhof suchen; 100 Meter entfernt davon aus dem Blockdschungel auf eine Lichtung stoßen (ach-wie-gut-ist-mein-Orientierungssinn! 1); Fahrpläne besorgen; einsteigen und mit dem Reisebus losfahren; halbe Stunde später aussteigen an der Haltestelle Patos; runterlaufen zum “Playa de Patos”; Surfer angucken; …
(hier sind die Wellen noch nicht so hoch)
… noch zu früh; erstmal was essen:
Also bin ich hoch gelaufen zu einem Restaurant, das man vom Strand aus sehen konnte und das unter anderem mit Pizza warb. Ansonsten hatte das irgendwie mit Argentinien zu tun, jedenfalls gabs da Fleisch aus Argentinien, Wandschmuck aus Argentinien, Kellner aus Argentinien? – Putzfrauen aus Argentinien jedenfalls nicht, denn es gab gar keine Putzfrauen dort! Die Toilette sah aus wie auf einer öffentlichen Raststätte, an einer abgelegenen Straße “wo noch nie eine Putzfrau zuvor gewesen ist”. Seife? Natürlich nicht! Ich hab mir ne Pizza bestellt (Tomate Mozzarella) und ein Wasser dazu. Als ich das Wasser bekommen habe, ist mir aufgefallen wie dreckig das Glas ist, es war zwar abgewaschen aber diverse Speisereste wollten sich wohl nicht lösen. Es roch dann auch nach fremden Speisen als ich aus dem Glas getrunken habe. (Natürlich habe ich mir kein Neues bestellt, denn ich wusste das gehört hier zum Ambiente.) Die Pizza war dann auch sehr lecker. Ich durfte nur nicht zu viel auf den Schimmelfleck in der Ecke vor mir staren und auch die fette, alte, schmierige und schmutzige Köchin nicht beachten, die zwischendurch vor Langeweile immer an den Nebentisch kam um mit den einheimischen Gästen zu plaudern. Weil dort so schön war bin ich noch auf einen Café Solo geblieben und hab mein Buch gelesen, während es draußen in Strömen regnete.
Als es aufhörte bin ich wieder runter zum Strand gegangen und hab weiter den Surfern zugeschaut. Gegen vier waren dann auch andere Erasmus Studenten da und wir konnten so langsam los legen. Wir bekamen Neoprenanzüge und Bretter, sind runter zum Strand, haben albern, aussehende Aufwärmübungen mit dem Lehrer gemacht und ein paar Dinge zum Surfen erklärt bekommen: Welche Bretter wie heißen, wie man die Schlaufe um den Knöchel anbringt, was man im Wasser beachten muss und so weiter…
Nach einer Stunde gings dann endlich rein ins Wasser. Leider waren die Wellen an dem Tag zeimlich hoch und ziemlich brutal. Der Lehrer meinte schon das wär wohl nichts für uns Anfänger aber die Lehrer und die anderen Profis hatten sichtlich Spaß. Wir Newbies haben also zwei Stunden lang versucht über die Brandung hinaus zu kommen. Was nur ging wenn man eine gute Lücke zwischen den großen Brechern erwischt hat. Man hat immer zwei, drei kleinere Wellen über- oder unterwunden bis dann wieder eine Große kam. Da hat man dann das Brett von sich gestoßen, weil man es nicht mehr geschafft hat zu wenden und hat versucht möglichst schonend von der Welle behandelt zu werden. Wasser im Hals, in der Nase in den Ohren, das Surfbrett mal im Rücken, mal gegen die Brust. So ging das zwei Stunden lang aber trotzdem ein sehr geiler Sport! Denn wenn man mal eine Welle gut erwischt (auf dem Brett liegend versteht sich) macht das echt Spaß! Ich wusste schon vom Bodyboarding das mir das gefallen würde. Natürlich ist das ne andere Liga aber jeder fängt mal klein an.
Als ich schon ziemlich erschöft war hat mich dann auch noch eine freche Welle auf die Klippen zu gespült. Da hab ich mir dann erstmal den Fuß aufgeschrammt – der heute am wenigsten weh tut. Anonsten ist der Strand aber super. Die Felsen sind nur in den Randbereichen.
Am Ende eines langen aber wenig erfolgreichen Kampfes musste ich dann wenigstens nicht wieder mit dem Bus zurück. Zwei deutsche Erasmus Studenten, die mit dem Auto angereist waren, haben mich mit zurück in die Stadt genommen. Unterwegs musste ich dann feststellen, dass der nächste Bus nach Ourense um 22:00 und der nächste Zug um 22:20 zurück fuhr. Es war 19:30. Die Beiden haben mich an einem Berg in Vigo, dem Castro – oder dem “Parque Charlie Rivel” wie er auf der Karte heißt, rausgelassen. Da hatte ich nun viel Zeit und Stand am Fuß eines Berges auf dem ein Schlösschen stehen sollte. Ich bin also hoch gelaufen und hab mir die schöne Aussicht über die Bucht von Vigo angeguckt. Leider war es ziemlich Wolkenverhangen und diesig und daher war die Sicht aufs Meer gar nicht so schön. Nach ein paar Fotos von den Lichtern der Stadt hab ich mich auf den Rückweg gemacht.
Vigo am Abend
Dummerweise ist so ein Berg oft rund und die Straßen nach unten führen auch oft rund um ihn herum oder zumindest im Zick-Zack hin und her. Deshalb – und wegen der plötzlichen Dunkelheit – hab ich ziemlich schnell die Orientierung verloren und wusste nun nicht mehr in welcher Richtung der Busbahnhof liegt. Als der verdammte, dunkle Berg endlich zuende war und ich wieder festen Stadtboden unter den Füßen hatte musste ich mich also für eine neue Richtung entscheiden. Ich wollte den Plaza de España finden, denn von dort würde ich den Busbahnhof wiederfinden. Ich lief also los in eine Richtung meines Vertrauens und fand einen Platz unter dem ein Einkaufszentrum verborgen lag. Von dem Platz aus bin ich dann in die nächste Seitenstraße abgebogen und siehe da: Die hässliche Pferdestatue vom Plaza de España erhebt sich vor mir!
(ach-wie-gut-ist-mein-Orientierungssinn! 2)
Was es da noch zu sagen gibt:
- Der Bus von Vigo nach Ourense braucht ne Stunde weniger (zumindest wenn er über die Autobahn fährt) und kostet nur 2 Euro mehr.
- Um 23h fahren in Ourense keine Stadtbusse mehr
- Ein Taxi zum Wohnheim kostet 5 Euro
- Ich habe meine Badehose am Strand vergessen
- Ich habe immer noch Schmerzen im Nacken und im Kopf
22. Oktober 2006 at 11:23 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Erasmus en tren
Am Mittwoch haben wir aus Ourense mal einen Ausflug in die gar nicht so schöne Stadt Vigo gemacht. Vigo ist ja der Hauptsitz unserer Universität und der Wohnsitz der meisten Erasmus Studenten in der Region. Deshalb haben die netten Leute vom International Office dort mal ne offizielle Willkommensparty organisiert und auch uns eingeladen. Da ließen wir uns nicht zwei Mal bitten.
Den obligatorischen Botellón haben wir in den Zug verlegt, den da hatten wir erstmal zwei Stunden Zeit um uns warm zu machen.
In Vigo angekommen sind wir erstmal auf den Kinderspielplatz vorm Bahnhof und haben die Geräte getestet. Waren alle einwandfrei! Unser jugendlicher Spieltrieb wurde aber jäh von einem herumschleichenden Nazi-Opa beendet, der meinte er würde gleich die Polizei rufen. Also mal schnell los und den Weg zu dem Club suchen. Dank meiner hervorragenden, handgekritzelten Skizze mussten wir auch gar nicht suchen, sondern sind direkt dorthin gelangt.
Den Rest des Abends kürz ich Mal ein bischen ab, denn ab einem gewissen Punkt ist da auch mein Gedächtnis abgekürzt und Stichpunkte passen besser zu meinen Erinnerungen: Ankommen im “La Bola de Cristal” in der Calle de Churruca; Sind die Ersten; Begrüßungshäppchen essen (davon nur wenige vegetarisch);
Bier kaufen; in die Sofa-Ecke lümmeln; Aufstehen und die Finnen begrüßen (wie blond die sind!); Smalltalk; mehr Leute kommen; zu viele um allen Hallo zu sagen; reicht auch mit dem gequatsche; mehr Bier; zuviel Bier;
Spaziergang allein durch die Stadt; wieder zurück und kurz darauf weiter zum Frühstücken; Sandwich mit etwas Gemüse und Mayo (mag keine Mayo) mmmh wie lecker!; wieder zurück zum Club; der hat schon zu; auch sonst hat alles zu oder ist fast leer; es regnet; zum Bahnhof; schlafen auf den Bänken im Bahnhof – sitzend, denn sobald man sich in eine Schräglage mit weniger als 45° begibt, kommt sofort ein Wachmann und wackelt mit dem Zeigefinger; Stunde später Tickets kaufen; rein in den Zug; da endlich richtig schlafen.
22. Oktober 2006 at 9:52 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Botellón
Botellón {sprich: botejon’} ~ Besäufnis, (Vorglühen)
de.wikipedia.org hat eine andere Meinung von der Übersetzung des Begriffs und ich denke “große Flasche” ist auch die korrekte Übersetzung aber Besäufnis ist das, worum es beim Botellón geht. Man kann es auch mit dem bei uns bekannten Vorglühen beschreiben aber im Gegensatz zu diesem findet der Bottelón fast immer öffentlich und unter freiem Himmel statt.
In vielen Städten gibt es einen speziellen Platz an dem regelmäßig der Bottelón stattfindet und an dem sich alle treffen. Regelmäßig bedeutet zum Beispiel donnerstags, freitags, samstags – jeden Tag an dem man hier weg geht.
Der Platz füllt sich dabei stetig mit neuen Gruppen und Grüppchen, die gemeinsam in Alkohol und etwas zum Verdünnen investiert haben und die erstmal unter sich die Getränke mischen und trinken. Je nachdem wie groß der Freundeskreis der Leute ist, vermischen sich die Gruppen natürlich recht schnell.
Ab eins oder halb zwei (oder wenn halt die Getränke leer sind) verlassen dann langsam die Gruppen den Platz und ziehen in die Kneipen. Der Botellón ist aber erst vorbei wenn die letzte Gruppe weg ist – und das kann dauern.
Noch mehr Informationen zum Botellón bei es.wikipedia.org (natürlich auf spanisch).
22. Oktober 2006 at 9:18 vormittags Hinterlasse einen Kommentar
Galicia para vegetarianos
Man hatte mich bereits vor meiner Abreise aus Deutschland gewarnt, dass in Spanien alles mit Fleisch oder Fisch gegessen wird. Für einen Vegetarier und Gernesser sind das schonmal nicht so tolle Aussichten aber ich hab mir nichts weiter dabei gedacht. Es würde sich schon was finden.
An meinem (aller- aller-) ersten Abend in Spanien überhaupt musste ich dann gleich der brutalen Wahrheit ins Gesicht schauen: Nach meiner fünfstündigen Reise über Mallorca, nach busfahren und einchecken im Backpacker-Hostel in Santiago hatte ich doch einigen Hunger und dachte mir sechs Uhr ist ne gute Zeit um was essen zu gehen. Weit gefehlt! Die Restaurants machen erst um halb neun frühestens wieder auf. Also hatte ich die Wahl zwischen Pizza in einem unspanischen Schnellrestaurant und Tapas in einer der vielen Tapa-Bars. Natürlich habe ich mich für das spanische Essen entschieden. Als dann aber mein spanisches Bier (oder war es doch Heineken?) vor mir stand und ich die große Auswahl der Tapas bewunderte, musste ich feststellen, dass wirklich ALLES mit Fleisch ist! Ich hab dann nach einigen Erklärungsversuchen gegenüber der sehr freundlichen und hilfsbereiten Kellnerin eine Suppe mit Blauschimmelkäse bekommen. Was für ein fieser Geschmack!! Aber warm und ohne Fleisch! Ich hab alles aufgegessen.
Am nächsten Tag dann die nächste Lektion in spanischer Küche: In der Uni Cafeteria gibt es täglich Vorspeise, ersten Teller, zweiten Teller, Nachspeise. Das ganze nennt sich dann Menü und gibt es in genau zwei Ausführungen: Mit Fleisch oder mit Fisch. Okay man kann natürlich für den gleichen Preis sein Essen auch ohne Fleisch oder Fisch bekommen aber erstens bleibt dann nicht mehr viel Schmackhaftes über, zweitens muss man der Bedienung erklären warum man denn weder Fleisch noch Fisch isst und drittens ist ein Menü ohne Hauptbestandteile für 4,35 Euro auch nicht mehr billig. Ich esse mittlerweile wieder mindestens einmal die Woche Fisch. Ansonsten gibts abends Pasta.
Die dritte Lektion kam dann irgendwann später: Vegetal ist nicht gleich Vegetal und heißt schon gar nicht vegetarisch! es heißt pflanzlich und meine Vermutung ist, dass es so heißt weil AUCH Pflanzen mit im Spiel sind. So gibt es zum Beispiel ensalada vegetal oder bocadillo vegetal. Da ist dann Gemüse drauf und zudem noch Sachen wie Ei, Thunfisch und Schinken!
Man kann auch hierbei zu der Bestellung dazu sagen, dass man sein Bocadillo “richtig vegetarisch” haben möchte und bekommt es dann ohne Fleisch – natürlich trotzdem mit Thunfisch.
16. Oktober 2006 at 8:47 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Cafeterías
Cafetería {sprich: Cafetería} = Cafeteria … jaha Moment … außerdem: Café, Espressobar, Imbisshalle, Imbissstube, Snackbar
Eine Cafetería kann also auch ein nettes kleines Café sein. In Spanien heißt es trotzdem Cafetería und weckt daher bei mir sofort Erinnerungen an sterile, aufgeräumte, den Geruch von mit Eiern belegten Brötchen tragende, deutsche Uni-Cafeterien.
Café Solo
Café Solo {sprich: café solo} = Espresso
Sowenig wie der Espresso in Italien Espresso heißt, heißt er auch hier nicht Espresso. Man nennt ihn Café Solo und ich habe mir von einem Italiener sagen lassen, dass der Café in Italien besser schmeckt. Ist ihm zu dünn hier. Mir schmeckt er.
16. Oktober 2006 at 8:44 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Tapas
Tapas {sprich (wie wohl?): Tapas} = Häppchen
Ich muss zugeben, dass ich noch keinen einzigen Tapa gegessen habe. Das liegt daran, dass sie für gewöhnlich mit Fleisch belegt sind. Manche sind auch mit Gemüse in Mayonese aber das ist auch nix für mich.
Trotzdem will ich diese (unappetitlichen) Häppchen hier kurz erwähnen weil ich die Entstehung ihres Namens interessant finde: Tapa heißt auch “Deckel” und der Begriff Tapa für belegte Brotscheiben hat sich wohl verbreitet, weil man damit früher das Bier abgedeckt hat. Das ist zumindest eine von drei Erklärungen die ich bei Wikipedia gefunden habe und diese ist mir am sympathischsten.
16. Oktober 2006 at 8:26 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
Bocadillo
Bocadillos {sprich: Bocadiijos} = Brötchen
Bei Bocadillos handelt es sich meistens aber nicht um einfache Brötchen sondern um etwas, zu dem wir belegtes Baguette sagen würden.
16. Oktober 2006 at 7:37 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar
¡empecemos!
Jetzt bin ich schon seit dem 11. September in Spanien und hab es bisher nicht geschafft einen Blog ins Leben zu rufen – aber jetzt ist es so weit! Tatsächlich hat der 11. September für mich jetzt eine neue Bedeutung gewonnen, das wurde auch Zeit!
14. Oktober 2006 at 6:36 nachmittags Hinterlasse einen Kommentar



